Kirche St. Thilo - Heiningen
AltarraumDas Jahwe-MandalaÜber den Heiligen und Seligen im Altarraum hat der Künstler den "Bezugspunkt" für das Leben und Wirken dieser Frauen und Männer in der Gestalt eines Ovals bzw. Mandalas dargestellt, in dessen Mitte den Namen in hebräischen Buchstaben geschrieben: Jahwe, den Namen Gottes. Dieser Name gibt Gottes Wesen kund: "Ich bin für euch da" - für uns Menschen. Diesen Namen hat der Künstler in die "neue Stadt, die ... vom Himmel kommt" (Offb. 21), geschrieben, die er im Grundriss gemalt hat, in Anlehnung an die Abendmahlskirche in Jerusalem, um deren Mitte im Viereck angeordnet zwolf Halb- oder Seitenkapellen sich fügen, als Tore dargestellt, von denen jedes von einem Engel bewacht wird. Mit den Ecken verbinden sich die Symbole der vier Evangelisten, deren Botschaft Quelle des Lichts und des Lebens ist, das von Gott strömt, dem lebensspendenden Wasser - da "nicht mehr sein wird Tod, Trauer, Klage, Mühlsal" (Offb. 21). Indem die Heiligen und Seligen die Beziehung zu Gott suchten und lebten, haben sie diese Quelle "angezapft" und sind selbst zur lebensspendenden Quelle für die Menschen ihrer Zeit geworden.
Die zwölf Heiligen und SeligenBeim Betreten der Kirche lenkt neben dem Altar die Wanddarstellung im Altarraum alsbald den Blick des Besuchers auf sich. Zwölf Heilige und Selige unseres Zeitalters und unserer Gegend umstehen im Halbkreis der Apsis den Altar.
Die Heiligen und Seligen im Altarraum (von links nach rechts):
Joachim und Anna
Südfenster
Marienstatue
Der hl. Thilo, auf den die Kirche geweiht istHeimatland des Heiligen war das Sachsenland, wohl das heutige Westfalen-Niedersachen. In den "Acta Sanctorum Belgii", 5. Bd., findet sich seine Lebensbeschreibung. Er wurde 610 oder 612 von heidnischen Edelleuten geboren. Er kam mit seinen Eltern 620 nach Flandern. Im Jahre 625 fiel er in die Hände von Räubern und wurde auf dem Sklavenmarkt in Paris von Elooi (oder lat. Eligius), dem Münzmeister Chlotars II. und seines Nachfolgers Dagobert I., freigekauft. Eligius entpuppte sich als Mäzen für seine Freigekauften. Er entdeckte in Thilo einen sehr klugen Geist, gepaart mit einer besonderen Würde. Im Alter von ca. 16-17 Jahren wurde Thilo getauft. Sein Förderer Elooi schickte ihn danach in das von ihm gegründete Benediktinerkloster Solignac in Frankreich, das als exzellente Ausbildungsstätte weithin bekannt war. Nach Beendigung seiner Studien bei den Mönchen kehrte Thilo nach Paris zu Eiligius zurück und wurde ein begabter Goldschmied. Als der Bischofsstuhl von Doornyk, dem heutigen Tournai in Flandern, frei wurde, berief man Eligius auf diesen verantwortungsvollen Posten, mit Blick auf den elenden Zustand, in dem sich die Gegend um Gent und Kortrijk damals befand. Auch in Flandern wollte Elooi nicht auf die treuen Dienste seines Schützlings Thilo verzichten, rief ihn zu sich und weihte ihn zum Priester. Gemeinsam bekehrten sie die "Heiden und Barbaren" jener Gegend zum Christentum, nicht ohne Schwierigkeiten und nach Überwindung mancher Gefahren. Thilo wurde erster Pfarrer im Dorf Izegem, heute eine Stadt von beinahe 20.000 Einwohnern, zwischen Roeseaere und Kortrijk gelegen. Doch immer wieder sehnte sich Thilo in jenen Jahren nach dem Klosterleben von Solignac und durfte schließlich mit Erlaubnis seines Bischofs dorthin zurückkehren, nachdem ein anderer Pfarrer in Izegem seinen Poster übernommen hatte.
Die Izegemer haben den Schatz des Glaubens, den sie einst von Thilo empfangen hatten, durch alle Zeiten hindurch an ihre Nachkommenschaft weitergegeben. Wir lesen dazu folgendes in der 1891 verfassten flämischen Biografie: "Seit jener Zeit ist Izegem fast vierzigmal ausgestorben und genau so oft wieder aufgebaut worden. Aber vierzigmal sind die Wahrheiten des Christlichen Glaubens an die neuen Einwohner überliefert worden und kein einziges dieser 40 Geschlechter ist vom katholischen Glauben, der ihren Vorfahren einst von St. Thilo verkündet worden war, abgefallen." 659 zog also Thilo zurück nach Solignax, wo er sieben bis acht Jahre blieb. Im Jahre 675 gründete er ein Kloster in Braggette, deesen erster Abt er wurde. Alt geworden, kehrete er schließlich nach Solignac zurück. Vom Abt seines Klosters, Gundebert, erhielt er die Erlaubnis, 700 Schritte außerhalb der Klostermauern in einer kleinen Mönchszelle ein Leben als Eremit zu führen. Als "Mann Gottes" weithin bekannt und verehrt, starb Thilo am 6. Jahnauer 700 oder 702, 92 bzw. 94 Jahre alt. Die Thilo-Statue in der Heiniger St.- Thilo-Kirche wurde vom Oberammergauer Holzbildhauer Erich Baad 1979 geschnitzt. Sie zeit den Schutzpatron, wie er seine Hand schirmend und segnend über seine Kirche hält. In der linken Hand trägt er die hl. Schrift, die Richtschnur seiner Predigten und seines Lebens. Er trägt das einfache Gewand eines Benediktiners des Klosters Solignax. Auf der Banderole mit seinem Namen zwei Hinweise: Den Namen des hl. Thilo findet man in der verschiedenen Martyrologien Frankreichs, der Niederlande und Deutschlands. Hl. Antonius
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