Orgel St. Martinus - Donzdorf

Disposition

Hauptwerk C - a'''   Schwellwerk C - a'''   Pedal C - f'
Bourdon 16'   Montre 8'   Sousbasse 16'
Montre 8'   Flûte traversière 8'   Principalbasse 8'
Gambe 8'   Bourdon 8'   Bourdon 8'
Bourdon 8'   Salicional 8'   Flûte 4'
Prestant 4'   Prestant 4'   Bombarde 16'
Flûte douce 4'   Flûte à cheminée 4'   Trompette 8'
Nazard 2 2/3'   Nazard 2 2/3'      
Doublette 2'   Flûte 2'      
Sifflet 1'   Tierce 1 3/5'      
Fourniture 4f. 1 1/3'   Larigot 1 1/3'      
Cornet 5f.     Fourniture 3f. 2'      
Trompette 8'   Cromorne 8'      
      Basson-Hautbois 8'      
Tremblant     Tremblant        
            Koppel I/Ped.  
Koppel II/ I           Koppel II/Ped.  
Koppel II/I 16'   Koppel II/II 16'   Koppel II/Ped. 4'

Die Koppeln sind mechanisch und nicht durchkoppelnd gebaut.
Mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur mit Setzerkombinationen.

Erbaut im Sommer 2011 von Orgelbaumeister Daniel Kern aus Straßburg.

Thomas Gindele: Zur Konzeption der Orgel

Das Platzangebot auf der Empore ist sehr begrenzt. Zum einen fehlt die Höhe auf der Doppelempore, um große Pfeifen in voller Länge aufstellen zu können, zum anderen schränkt der Grundriss mit begrenzenden Säulen und die notwendige Stellfläche für den Kirchenchor und Orchester die Möglichkeiten deutlich ein.
Im Laufe der Donzdorfer Orgelgeschichte wurden diesbezüglich schon einige Varianten erprobt. Zuletzt war die Orgel komplett auf der rechten Seite (von unten gesehen) aufgestellt. Dadurch zog sich das Orgelwerk sehr weit nach hinten, was sich auf die Klangabstrahlung negativ auswirkte. Außerdem war die alte Anordnung mit dem leeren Gehäuse auf der linken Seite optisch wenig befriedigend.
Mit der neuen Orgel wurde die früher nur angedeutete geteilte Aufstellung real umgesetzt. Von unten gesehen befindet sich auf der linken Seite das Pedalwerk, auf der rechten Seite die Manualwerke mit Hauptwerk und dem Schwellwerk dahinter.
Vor allem aus klanglichen Gründen hat man den Prospekt (Schauseite der Orgel) in die Brüstung eingesetzt. Die Brüstung bildet nun keine Klangbarriere mehr und optisch wirkt die Orgel als eigenständiges Kunstwerk und doch bestens integriert. Damit das Instrument die Emporenanlage nicht dominiert, wurde ein helles Holz (Esche) für das Gehäuse gewählt, das zudem noch weiß gebeizt wurde. Das Orgelwerk fügt sich sehr schön in das Gesamtbild ein.
Um Platz zu sparen, wurde die Spielanlage direkt an das Gehäuse angebaut. Ein weiterer Vorteil des angebauten Spieltisches ist die direkte Spielart über kurze Trakturwege, die dem Organisten eine sehr sensible musikalische Gestaltung ermöglichen. Damit die Chorbegleitung für den Organisten ohne Probleme funktionieren kann, wurde ein Monitor am Spieltisch angebracht, der den Dirigenten per Kamera sichtbar macht.

Was nun die klangliche Ausrichtung der Orgel anbelangt, so steht die Idee dahinter, sich beim Neubau an den Instrumenten der Orgelbauerdynastie Callinet zu orientieren, die im 19. Jh. stilbildend im Elsaß und ganz Frankreich wirkte. Der Klang dieser Instrumente zeichnet sich dadurch aus, dass er die Brillanz und Charakteristik der klassisch französischen Orgel mit der romantischen Ästhetik verbindet. Ebenso verbinden sich in der elsässischen Tradition französische und deutsche Klangeigenheiten.
Dieser Orgelstil schien mir für Donzdorf besonders geeignet, weil er seine klangliche Wurzeln im Barock hat und damit die Brücke zum barocken Kirchenraum schlägt und  gleichzeitig weit darüber hinaus geht und alles bietet, was ein gutes liturgisches Instrument braucht: einen weich klingenden, voluminösen Prinzipalchor als „Rückgrad“ der Orgel sowie zur Gemeindebegleitung, abwechslungsreiche Farbstimmen (Aliquoten) für solistische Melodieführung (Cornet, Nazard, Terz, Larigot), brillante Zungenstimmen (Trompette, Cromorne, Bombarde, Oboe), die der Orgel Kraft und zusätzliche Farbe geben, vielfältige Grundstimmen mit Flöten, Gedeckten und Streichern, die ideale Möglichkeiten für die Begleitung bieten sowie charakteristische Einzelstimmen darstellen. 

An diesem historisch gewachsenen Klangbild orientiert sich die Donzdorfer Orgel ohne dass sie einfach ein stilistisches Plagiat darstellt. Einzelne Stimmen wurden auch nach anderen Vorbildern gefertigt (z.B. Oboe: Cavaillé-Coll). Manche Eigenheiten des Stils von Callinet wurden nicht übernommen (Ophicléide 16’ im Pedal, Flûte traverse 4-8) und zugunsten einer möglichst vielseitigen Verwendbarkeit, selbstverständlich auch im Hinblick auf die Umsetzung der deutschen Orgelliteratur angepasst.

In technischer Hinsicht wurde das Instrument in traditioneller Handwerkskunst erbaut, ergänzt durch sinnvolle zeitgemäße Errungenschaften. Die Registertrakur (Einschaltung der Register) wurde elektrisch mit Schleifenzugmagneten ausgeführt. Ebenso erhielt das Instrument eine Setzeranlage, die das Speichern von Registrierungen erlaubt und schnelle Klangwechsel möglich macht. Auch in der äußeren Erscheinungsform ist das Gehäuse zwar an historischen Vorbildern orientiert, präsentiert sich aber bewusst zeitgemäß schnörkellos.

 

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